Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung
 

Der humorvolle Rückblick

 
Klinikum Früherer Chefarzt begeistert beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen mit Anekdoten – Zudem vage Andeutungen zur Zukunft des Krankenhauses
     




Kaufbeuren Nur wenig überschattet vom Ergebnis des Bürgerentscheides war der Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Klinikums Kaufbeuren. Immerhin hatten die Ostallgäuer mehrheitlich entschieden, dass der Landkreis künftig in Sachen Kliniken eigene Wege gehen soll – ohne die Stadt Kaufbeuren. Das Klinikum Dr. Gutermannstraße, das am Valentinstag 1962 seinen Betrieb aufgenommen hatte, war seit 1984 von beiden Gebietskörperschaften gemeinsam betrieben worden. Landrat Johann Fleschhut, Verwaltungsratsvorsitzender der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, verwies auf die lange Geschichte des Krankenhauswesens in der Region, bei dem sich Stadt und Landkreis schon vor 150 Jahren nicht grün gewesen seien.

 
Trotzdem habe sich am Standort Gutermannstraße in Zusammenarbeit von Stadt und Land ein medizinischer Standard entwickelt, der „noch nie so hoch war, wie jetzt“. Sein Stellvertreter, Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, habe kurz nach dem Bürgerentscheid ja bekundet, dass Kaufbeuren das Klinikum künftig allein betreiben wolle: „Er hat es sich gewünscht als Geschenk mit einer Schleife drumherum“, sagte Fleschhut ironisch und mit Skepsis in der Stimme. Wie berichtet, hat der Landkreis über Jahre Millionen Euro in das Kaufbeurer Haus gesteckt und will es ohne Ausgleich nicht komplett an Kaufbeuren abtreten.

„Ich will das Krankenhaus auch nicht geschenkt haben, Johann“, entgegnete Bosse bei dem Festakt. Eine Vorstellung sei, dass man so weitermache, wie bisher. Und der Landkreis müsse in seinen Krankenhäusern (also Marktoberdorf, Buchloe, Füssen und Obergünzburg) künftig wieder in Eigenregie beurteilen, wie er dort den Willen der Bürger umsetzen kann. In puncto Kaufbeuren hielt sich der OB weitgehend bedeckt. Es hatte aber den Anschein, als könne er sich auch eine Art Zweckverband mit dem Landkreis zum gemeinsamen Betrieb des Klinikums wieder vorstellen – ein solcher Zweckverband bestand von 1984 bis 2007. Dann wurde das Kommunalunternehmen gegründet – ein Klinikverbund mit fünf Standorten. Laut Satzung falle bei einer Auflösung des Kommunalunternehmens aber „alles zurück auf die Ausgangsposition“, so Bosse.

Der „Star“ des Abends, an dem rund 150 Menschen teilnahmen (viele von ihnen ehemalige Mitarbeiter des Krankenhauses) war aber Dr. Heinrich Hegel, der frühere in Stadt und Land bekannte chirurgische Chefarzt. Er war gebeten worden, Anekdoten aus der früheren Zeit zum Besten zu geben – was dem 85-Jährigen souverän, ohne Skript und rhetorisch geschliffen gelang. Etwa als er von einer vermeintlichen Wunderheilung berichtete. Ein junger Mann war vor vielen Jahren mit einer Stichwunde in der Herzgegend klinisch tot eingeliefert worden. Hegel und sein in der Bevölkerung damals nicht minder bekannter Oberarzt Dr. Wolfgang Hardegen eröffneten trotzdem noch den Brustkorb und massierten „eine halbe Ewigkeit“ das Herz – von Hand. „Plötzlich begann das Herz wieder zu schlagen.“ Und wie durch ein Wunder erwachte der junge Mann Tage später – ohne die durch den Sauerstoffmangel befürchteten Hirnschäden. Dann erschien die Mutter des Geretteten bei Hegel und betonte, dass die Heilung nur daher rühre, dass sie das Amulett von Bruder Konrad aus Altötting unter das Kopfkissen ihres Sohnes gelegt habe. Sie, die Ärzte, hätten mit der Heilung eher nichts zu tun. Einige Zeit später erschien auch eine Abordnung des Bischofs, um die Umstände des Wunders aufzunehmen. Hardegen empfing die Delegation. „Er hatte aber einen entscheidenden Fehler“, so Hegel. „Er war protestantisch.“ Und er sagte: „Das war kein Wunder, das waren wir“ – worauf die Delegation unverrichteter Dinge wieder abzog. Hardegen habe übrigens auch einem jungen Arzt namens Wolfgang Schnitzler vor vielen Jahren abgeraten, Chirurg zu werden. Dieser sei dafür zu gutmütig. Schnitzler ist heute chirurgischer Chefarzt am Kaufbeurer Klinikum, ein Nachfolger Hegels.

Weitere Grußworte und Reden hielten Ludwig Lederle (Kliniken-Vorstandsvorsitzender), Dr. Wolfgang Schnitzler, der frühere Verwaltungsleiter Hermann Brust, der neurologische Chefarzt Dr. Martin Hecht namens der Bezirkskliniken Schwaben und Gerhard Bucher (Vorsitzender des Klinikum-Fördervereins). Schöne Musik bot das Kaufbeurer Streicherensemble unter der Leitung von Marita Knauer.


Pressekontakt:
Roswitha Martin-Wiedemann
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Stand: 22.02.2012